Veranstaltung: | Mitgliederversammlung GRÜNE Dresden |
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Tagesordnungspunkt: | 2.a) Vergabe des vorrangigen Votums für die Listenplätze 1 bis 3 |
Antragsteller*in: | Jakob Georg Lindenthal (KV Dresden) |
Status: | Eingereicht |
Eingereicht: | 23.11.2024, 18:11 |
A3: Jakob Lindenthal
Selbstvorstellung
Liebe Freundinnen und Freunde,
es ist eine Zeit der Krisen. Die Folgen des Klimawandels werden immer härter spürbar. Der Strukturwandel in der Wirtschaft schürt materielle Abstiegssorgen. Populismus zersetzt den politischen Diskurs. Erstarkender Rechtsextremismus stellt infrage, ob wir aus der Geschichte gelernt haben. Auch von außen findet ein hybrider und militärischer Angriff auf die demokratischen Staaten statt - mit dem Ziel, Demokratie zu schwächen und die Politik der Gewalt und der starken Männer zurückzuholen. Viele Menschen werden bei der Bundestagswahl die Frage beantworten, wem sie zutrauen, inmitten der multiplen Krisen ein Anker der Verlässlichkeit zu sein.
Bei dieser Wahl geht es im Kern um eines: Vertrauen.
Vulnerable Gruppen stellen sich diese Frage am dringendsten. Für viele Menschen in Sachsen geht es um die Zahlungsfähigkeit für den nächsten Monat, das Heizen über den Winter, die Zukunft ihrer Arbeitsstelle. Doch auch auf der globalen Ebene geht es um dringende Fragen: Welche Alliierten sind bereit, die Demokratie und die internationale Rechtsordnung verlässlich zu verteidigen? Welche Staaten kämpfen dafür, dass Globalisierung, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit vereinbar sind? Wer steht dafür ein, dass Menschen egal welcher Herkunft eine Chance auf ein würdiges Leben haben?
Ich möchte gemeinsam mit euch antreten, um diese Fragen zu beantworten. Meine früheste politische Prägung habe ich durch meine Großmütter erfahren, die sich für den Schutz der Umwelt vor Konzerninteressen und Männerbündelei eingesetzt haben, und die lange vor der breiten Debatte über §218 ihr Recht auf körperliche Selbstbestimmung unter hohem persönlichen Risiko durchgesetzt haben. Bereits früh habe ich erlebt, dass Menschen immer die Frage umtreibt, was große Entscheidungen konkret für dich und mich bedeuten. Nach meiner eigenen Schlosserausbildung habe ich durch das Physikstudium und diverse Auslandsaufenthalte auch viele globale Zusammenhänge und Umgebungen kennengelernt. Ich habe in Tansania und Israel den Aufstieg und das autoritäre Netzwerk Chinas aus nächster Nähe erlebt, als Mitgründer der Dresdner Raumfahrt-Hochschulgruppe STAR und als Nachwuchswissenschaftler die Ressourcenfragen des globalen Innovationswettbewerbs mitbeantwortet.
Für mich war und ist klar: Nur eine resiliente, wehrhafte Demokratie kann das Wohl der Menschen schützen und dafür braucht es ein Team. Dieses Team ist für mich seit sieben Jahren Bündnis 90/Die Grünen. Mein höchstes Anliegen ist es, dass wir die Existenzgrundlagen der Demokratie sichern. Als Sprecher der LAG Wirtschaft habe daran mitgearbeitet, dass wir materielle Lebensgrundlagen schaffen, die sozialen Ausgleich und Fürsorge ermöglichen und dabei die planetaren Grenzen achten. Klimaschutz ist für mich keine Ideologiefrage. Als ehemaliger Feuerwehrmann kann ich sagen, dass auch hunderte Löschzüge nicht reichen werden, um wiederkehrende Waldbränden oder Überschwemmungen zu beherrschen. Nur mit einer wirkungsvollen Antwort auf die Klimakrise werden wir die Krise der Demokratie meistern. Durch die russische Vollinvasion in der Ukraine hat sich die Frage nach der Existenz unserer Demokratie noch einmal akut verschärft. Mir ging die Unterstützung des ukrainischen Verteidigungskampfes zu langsam und ich finde auch unsere bündnisgrünen politischen Konzepte nach wie vor unbefriedigend angesichts der Herausforderung, dass ein gewaltbereiter autoritärer Staat mitten in Europa Krieg führt und keine Hemmungen zeigt, jeden Ort der Welt zu bedrohen und seinen Gegnern Gewalt anzutun. Ich wurde selbst 2019 aus Indien ausgewiesen und zahlreiche Demonstrant*innen monatelang inhaftiert, weil wir unseren Widerspruch gegen das antimuslimische Einbürgerungsgesetz (CAA) der religiös-nationalistischen Modi-Regierung laut geäußert haben. Ich habe erlebt, dass Autokratien keine Gnade kennen, solange sie davon ausgehen, dass niemand sie wirkungsvoll stoppt. Ein demokratischer Staat darf nicht berechnend und grausam sein. Doch wir müssen als demokratische Gesellschaft anerkennen, dass Autokratien uns mit Methoden angreifen, die uns selbst fern liegen. Am Ende zählen nicht unsere deklarierten Werte, sondern nur, ob wir Menschen und ihre Freiheit real vor dem Terror autoritärer Machtphantasien schützen können.
Wegen dieser neuen Realität spätestens seit 2022 bewerbe ich mich. Wenn wir heute Politik machen, müssen wir die Vielschichtigkeit der Herausforderungen akzeptieren und am Ende ganz klar Entscheidungen treffen, die nicht immer schön sein können, aber Menschenleben und Freiheit schützen. Dafür brauchen wir politische Vertreterinnen, das die Welt lokal und global wirklich kennen und ihre politische Statur aus mehr als dem Amt an sich erworben haben. Seit 2022 bin ich Mitglied der AG Bundeswehr und seit Anfang 2024 Sprecher der LAG Europa und Internationales. Ich setze mich auf Landes- und Bundesebene dafür ein, dass wir als Partei unsere Analyse- und Entscheidungsfähigkeit ausbauen, um in der Arena des hybriden Kampfes um unsere Demokratie handlungsfähig zu sein. Neben der unmittelbar militärischen Abwehr der Bedrohung benötigen wir jetzt Antworten, wie wir auch nach innen als demokratische Gesellschaft Zusammenhalt sichern und gleichzeitig die Ressourcen und Innovationsfähigkeit erzeugen, die wir in der Konkurrenz der politischen Systeme brauchen. Mein Ziel ist es, dass wir in Dresden und Sachsen Innovation, Wirtschaftspolitik und Klimaschutz zusammendenken und gemeinsam mit den Menschen vor Ort umsetzen. Konkret möchte ich mich besonders auf drei Feldern einbringen:
Innovationspolitik: Ich möchte den Technologietransfer zwischen Forschung und Wirtschaft stärken. Besonders dringend brauchen wir eine bessere Kapitalverfügbarkeit für nachhaltige, innovative Unternehmensideen, gerade in Ostdeutschland. Eine Reform der Vermögens- und Erbschaftssteuer kann uns helfen, mehr private Mittel für den innovativen Umbau unserer Wirtschaft einzusetzen und klugen Köpfen die Chance zu geben, Innovation hier vor Ort erfolgreich zu machen.
Energiespeicherung: Eine soziale und vollständige Energiewende funktioniert nur, wenn das Stromnetz auch ohne fossile Brennstoffe stabil ist. Es braucht jetzt staatliches und privates Kapital, damit endlich ein Markt für Energiespeicherlösungen im großen Stil entsteht. Hier haben Dresden und Sachsen großes Innovationspotenzial und auch reale Marktchancen.
Demokratische Resilienz: In einer Welt der globalen Verflechtungen müssen wir unsere Demokratie vor autoritärer Einflussnahme schützen. Ich möchte beispielsweise mit einer Enquete-Kommission die Russland-Politik der vergangenen Jahrzehnte untersuchen und für die Zukunft mitgestalten, wie sich Deutschland auf verschiedenen Ebenen im Verhältnis zu autoritären Staaten aufstellt. Nur mit einer reflektierten, handlungsorientierten Verbindung verschiedener Politikfelder kann es uns gelingen, Menschen weltweit und auch in Deutschland vor Verfolgung zu schützen, die Instrumentalisierung von Bevölkerungsgruppen durch autoritäre Machthaber zu verhindern und unsere Wirtschaft und Gesellschaft vor direkter materieller Abhängigkeit von Feinden der Demokratie zu bewahren.
Zur Arbeit unserer Partei trage ich nicht nur Werte bei, sondern auch handfeste Organisationserfahrung im Beruf und im Ehrenamt. Politische Gestaltungsfähigkeit hängt extrem davon ab, wie wir uns koordinieren, das Ehrenamt unterstützen und Bereitschaft zum Zuhören und Selbstkritikfähigkeit vor Ort präsent sind. Ich habe in zahlreichen Institutionen und internationalen Kontexten Kooperations- und Führungserfahrung gesammelt, die ich für unsere Partei im Hauptamt einbringen möchte. Ihr müsst von mir keine Floskeln und Durchhalteparolen erwarten. Vielmehr möchte ich mein Team personell und örtlich so aufstellen, dass ich nicht nur für unseren Wahlkreis, sondern in ganz Sachsen erreichbar, ansprechbar und auskunftsfähig bin. Ich will unsere Netzwerke mit der Gesellschaft, Verbänden und Unternehmen stärken und sie Zusammenarbeit mit den vielen Arbeitsgemeinschaften vertrauensvoll und inhaltlich tiefgründig gestalten. TikTok-Videos oder Pressefotos sind zwar wichtig, doch ich möchte mich dafür einsetzen, dass unsere Vernetzung über einmalige Podiumsdiskussionen und kurzlebige Posts hinausgeht. Ich habe viele Lebensrealitäten gesehen und glaube, dass es mir gemeinsam mit euch im Ehrenamt vor Ort gelingen kann, die Menschen hier in ihrer Vielfalt zu erreichen und mit ihnen im engagierten Austausch zu bleiben.
Das Amt eines Bundestagsabgeordneten ist nicht einfach. Doch ich habe mich mit den Herausforderungen in der Tiefe beschäftigt und glaube, dass ich mit meiner Führungserfahrung aus verschiedenen Forschungsteams, mit meiner Medienerfahrung aus der Zeit der Proteste gegen die Modi-Regierung und auch mit dem Rat meines persönlichen und beruflichen Netzwerks der Aufgabe gewachsen bin.
Zu guter Letzt:
Ich bin nicht in Dresden geboren, doch ich habe mich bewusst und immer wieder für diese Stadt und für Sachsen entschieden. Ich glaube, dass ich als Kandidat für den Wahlkreis Dresden I durch meine eigene Biografie das repräsentiere, was uns in Dresden und Sachsen ausmacht. Ich bringe Handwerk und Wissenschaft mit, ich denke lokal und global, abstrakt und sozial. Mich erfüllt Achtung, wenn ich im Elbsandsteingebirge auf schmalen Karrenwegen wandere, die vom handwerklichen Fleiß und den Entbehrungen der vergangenen Jahrhunderte zeugen, doch genauso wende ich mich mit meinem technologischen Sachverstand der Zukunft in der Halbleiterindustrie und der grünen Energieerzeugung zu. Bei allem globalen Horizont bin ich stets weiter hier in Dresden verwurzelt geblieben. Ich setze mich in der Kulturkommission der Jüdischen Kultusgemeinde für jüdisches Leben in Dresden ein, ich habe im Hochschulsport und als Ultimate-Frisbee-Ligaspieler die Frauenförderung aktiv vorangetrieben und als Sportcoach in einer Johannstädter Grundschule mitgeholfen, dass Teilhabe und Selbstwirksamkeit von Anfang an im Alltag von Kindern ihren Platz haben.
Die nächsten Jahre werden entscheidend für unsere Demokratie. Um sie zu verteidigen, brauchen wir Vertrauen in unsere Ideale, aber auch ganz klar das Handwerkszeug, Ideale in der echten Welt umzusetzen. Ich trete dafür an, dass ich mit meinen persönlichen und systematischen Erfahrungen in autoritären Staaten den Staffelstab des Kampfes für die Freiheit weitertragen darf, den unsere Gründer*innen des Bündnis 90 unter großen Opfern aufgenommen haben.
Für unsere vielfältigen Herausforderungen biete ich euch meine Tatkraft, meinen Pragmatismus und meine Bereitschaft zum Zuhören und Dazulernen an. Lasst uns gemeinsam dafür kämpfen, dass Bündnis 90/Die Grünen bei dieser Wahl das Vertrauen der Menschen verdient.
Euer Jakob
P.S. Falls wir noch nicht die Gelegenheit hatten, uns in den verschiedenen Vorstellungsrunden oder bei grünen Aktivitäten persönlich kennenzulernen, lade ich dich herzlich ein, mir eine Nachricht zu schreiben oder mich anzurufen und dich mit mir über mein politisches Angebot auszutauschen.
Kontakt
Website und Lebenslauf: jakob.lindenthal.de
Instagram: jakob.lindenthal
LinkedIn: Jakob Lindenthal
Email: jakob_lindenthal@pm.me
Telefon: 01778277671
- Alter:
- 29
- Geburtsort:
- Nürnberg